Kein Eintrag in knapp 6 Wochen. Ich war in Los Angeles und habe an einem Drehbuch geschrieben. Die Kamelien und Bugeinvillen blühen. Es riecht nach Jasmin. Es riecht nach Aufbruch. In Los Angeles. In Kalifornien. Ich habe abends mehrfach versucht, etwas anderes als Drehbuchzeilen zu schreiben. Ich habe mich an Kurzgeschichten , Gedichten, oder einfach nur an Gedanken versucht, aber vergebens. Beim Drehbuch-Schreiben scheinen alle Worte die in mir sind für diese eine Sache aufgebraucht zu werden.
Ich lief jeden zweiten Morgen am Strand von Venice, im Sand hoch bis zum Santa Monica Peer, an den Surfern vorbei. Am Ocean Front Walk zurück. Die ersten Künstler und Verkäufer kriechen dann gerade aus ihren Löchern und beginnen, ihre Bilder, ihre Tarotkarten, ihre Ketten und Ringe auszupacken. Im Fig-Tree-Cafe werden die ersten Besprechungen abgehalten. Touristen mit Schlafstörung frühstücken hier. Bereits kurz vor neun spielen hier Musiker auf ihren Gitarren, versuchen ein paar bucks zu machen, um auch was vom Leben, zum Leben zu haben.
Im kleinen Cafe an der Ecke Main sitzen dann schon einige Lebenskünstler, lesen Zeitung, unterhalten sich. Über Filme. Über Politik. Über das Fernsehen. Politik ist in aller Munde. Egal welche Farbe der Mund hat. Egal wie viele Zähne noch in ihm wohnen. Sie alle wollen eine Veränderung. Alle reden den Umschwung herbei, diskutieren, ereifern sich. Selbst die eingefleischtesten Republikaner und Kriegsbefürworter haben begriffen, dass es Zeit für Veränderungen ist.
Hillary und Obama haben die besten Chancen bei den Demokraten. Und die Liberalen werden im nächsten Jahr gewinnen, wenn sie sich nicht ganz blöd anstellen. Hillary und Obama . Eine Frau und ein junger Schwarzer. Wenn dass keine Veränderung wäre. Dazu noch Al Gore als Umweltminister. Ein Dream Team. Darauf hoffen und spekulieren viele. Ich auch. Noch nie hat der Wahlkampf so früh begonnen wie diesmal. Das zeugt von Unzufriedenheit. Es bedeutet aber auch, dass sich noch sehr viel verändern kann. Die Strippenzieher hinter Bush und Cheney werden noch viel Gelegenheit haben, die Gegenseite zu diskreditieren. Und sie werden diese Möglichkeiten nutzen. Wollen wir nur hoffen, dass letztlich doch die Vernunft siegt. Kalifornien ist der reichste und wichtigste Bundesstaat der USA. Würde er sich loslösen, wäre er die acht größte Wirtschaftsmacht der Welt. Kalifornien ist Vorreiter in den USA. Schwarzenegger hat neue Umweltstandards eingeführt. Richtwerte von denen Europa nur träumen kann. Aber leider hat Kalifornien nur etwas mehr als ein Fünfzigstel der Stimmen im US-Präsidentschaftswahlkampf. Hoffen wir also, dass sich der Wind der Veränderung auch auf die anderen US-Bundesstaaten ausbreitet. Wenn nötig als Hurricane.
Clinton/Obama/Gore. Was könnte ein solches Team nicht alles verändern? Die Kalifornier wissen, dass es Zeit für Veränderungen ist. Es ist höchste Zeit. Es wurden für dieses Jahr viele Wirbelstürme und Buschfeuer vorausgesagt. Ich hoffe, dass sie einen politischen Flächenbrand verursachen und die westliche Welt endlich beginnt, Verantwortung zu übernehmen und mit gutem Beispiel voran zu gehen. Es gibt viel zu tun. Packen wir es an!