Hopi Museum
Mittwoch, Juli 25th, 2007Hopi Museum
Obwohl Kúwai, der große Schöpfer die gesamte Erde auf einmal erschaffen hatte, brauchte er mehrere Versuche, um hiernach die Hiwi zu erschaffen. Denn erst hatte er sie aus Ton geformt, da wurden sie vom Regen weich und zerbröselten. Dann schuf er sie aus Wachs und sie schmolzen in der Sonne. Erst als er sie aus hartem Holz schnitzte, hatten sie Bestand. Dann kam laut der alten Mythologie eine Ratte und gab ihnen Genitalien und die Möglichkeit der Fortpflanzung.
Die Hiwi leben heute in Kolumbien und Venezuela. Sie haben zwei Seelen. Die erste, Yethi, ist unsichtbar, sie entweicht während des Schlafs aus dem Körper, um anderen in deren Träumen zu erscheinen. Die zweite, Hùmpe, bleibt zeitlebens im Körper und entweicht erst nach dem Tod. Sie steigt auf ins Reich Kúwais und lebt dort in Reichtum und Überfluss.
Der Schamane der De’áruwa geht zum Sterben auf einen Hügel und verbindet sich mit den Göttern. Er atmet Yopo ein und singt. Seine Seele steigt auf zu den Winden, sein Rachen wird zu einer Flöte, die all seine Lieder kennt. Aus seinem Atem wird ein Jaguar geboren, seine Augen werden zu Bienen. Der Schamane darf nach seinem Tod bei den Göttern verweilen. Die Seelen der einfachen De’áruwa kehren nach dem Tod in ihre ursprüngliche Sphäre zurück, um sich mit den Seelen andersgeschlechtlicher Geschwister zu paaren und so wieder geboren zu werden.
Die einfachen Tschechen werden, glaube ich, nach ihrem Tod als Marionetten wieder geboren. Der tschechische Schamane wird nach seinem Tod Direktor eines Marionettentheaters. Seine Seele kehrt zu ihrem Ursprung zurück: nach Karlsbad – direkt in die Becherovka-Fabrik. Wer einmal in Prag war, weiß, worauf sich mein begründeter Verdacht stützt.
Ich wohne für zwei Monate gegenüber der Rückseite des Hopi Museums in der Prager Altstadt, wo ich eine Zwei-Zimmer-Altbau-Wohnung angemietet habe. Aus den Fenstern meines Wohnzimmers kann ich direkt hinübersehen in die Ausstellungsräume mit den Exponaten Nordamerikanischer Indianer- und Eskimostämme. Die Museumsbesucher ihrerseits können, wenn bei mir Licht an ist, direkt zu mir hineinsehen, in die Ausstellungsräume mit den Exponaten postkommunistischer Billigeinrichtung und düsterer frühkommunistischer Malerei, die im Mietpreis inbegriffen sind. Deswegen halte ich meistens die Vorhänge geschlossen…..
Falls du die Geschichte zu Ende lesen möchtest, findest du sie in meinem Buch Ganz weit draußen.
