Miracle 2
Freitag, Januar 25th, 2008Zu jener Zeit etwa, als in Nazareth eine junge Frau namens Maria ihrem Manne Joseph einen Sohn gebar, waren weit, weit entfernt, in den Heiligen Schwarzen Hügeln Süddakotas zwei Krieger der Lakota-Indianer unterwegs, um Büffel zu jagen, als sie einen Körper auf sich zukommen sahen und inne hielten. Sie erkannten, dass es ein weißes Büffelkalb war. Das Tier kam näher, blieb stehen und verwandelte sich vor ihren Augen in ein wunderschönes, junges Indianermädchen, das einem der beiden Krieger befahl vorzutreten, denn er hatte böse Gedanken. Er tat wie ihm geheißen, und wurde von einer schwarzen Wolke eingehüllt. Die Wolke verzog sich und zurück blieben nichts als die Knochen jenes Kriegers der böse Gedanken gehabt hatte. Da kniete der andere Krieger nieder und begann zu beten. Dann forderte ihn das weiße Büffelkalb, das nun eine Indianerfrau war, auf, zu seinem Stamm zurückzukehren, um die anderen zu warnen, denn sie wollte in vier Tagen zu ihnen kommen und ihnen ein heiliges Bündel bringen. Wieder zu seinem Stamm zurückgekehrt, versammelten sich alle in einem Kreis und der Krieger erzählte ihnen, was geschehen war. Die Ältesten und Führer berieten und bereiteten sich auf die Ankunft der Frau vor. Am vierten Tage nach der Begegnung kam über dem Dorf der Lakota eine Wolke vom Himmel herab und aus dieser Wolke sprang das weiße Büffelkalb hervor. Es fiel zur Erde und verwandelte sich wieder in die wunderschöne, junge Frau, die nun das heilige Bündel in Händen hielt. Sie trat in die Mitte des Kreises, den der Stamm gebildet hatte, sang ein heiliges Lied und übergab ihnen das Bündel. Sie verbrachte vier Tage bei den Leuten und lehrte sie die Bedeutung ihrer Gabe. Sie lehrte sie sieben heilige Zeremonien. Eine davon war die Schwitzhütte, die Zeremonie der Reinigung. Eine andere war die Namenszeremonie, die Namensgebung für Kinder. Die dritte war die Heilungszeremonie, die vierte war das Schaffen von Verwandten, auch bekannt als die Adoptionszeremonie. Die fünfte war die Hochzeitszeremonie, die sechste die Suche nach Klarheit und die siebte die Sonnenzeremonie, die alle Stammesmitglieder zusammen feiern. Sie brachte den Lakota Sioux die sieben heiligen Zeremonien bei, lehrte sie die Lieder und die Traditionen und sie versprach ihnen, dass sie, so lange sie weiterhin diese Zeremonien begingen, immer die Hüter und Bewahrer eines heiligen Landes bleiben würden. Sie sagte ihnen, dass sie, so lange sie dieses Land achteten und beschützten, nie sterben, sondern ewig leben würden. Als die Weiße-Büffel-Kalb-Frau den Lakota alles beigebracht hatte, verließ sie den Stamm wieder auf demselben Wege, auf dem sie gekommen, versprach aber zuvor, eines Tages, wegen des heiligen Bündels, wiederzukommen. Auch machte sie ihnen noch weitere Prophezeiungen. Eine davon war, dass die Geburt eines weißen Büffelkalbes ein Zeichen dafür sein würde, dass sie wiederkäme, um die Welt zu läutern und den Menschen wieder Harmonie und Spiritualität zu bringen. Sie wollte die weißen, die schwarzen, die roten und die gelben Menschen einigen und sie lehren, im Einklang mit der Natur zu leben. Das heilige Bündel wird von den Lakota bis zum heutigen Tage in Green Grass, einem heiligen Ort im Cheyenne River Indianer Reservat in Süd-Dakota aufbewahrt. Das Bündel enthält unter anderem Die Pfeife des heiligen weißen Kalbes. Der Hüter dieses wertvollen Schatzes ist ein Mann namens Arvol Looking Horse.
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Als am 20. August 1994 auf einer kleinen Farm in Madison/Wisconsin das weiße, weibliche Büffelkalb Miracle, zu deutsch Wunder, geboren wurde, glaubten seine Besitzer, ein älteres weißes Ehepaar, erst an einen Sechser im Lotto, denn sie waren sich sicher, das ungewöhnliche Kalb für viel Geld verkaufen zu können. Als jedoch in den folgenden Tagen die Vertreter verschiedener Indianer-Stämme bei ihnen auftauchten, um das Kalb zu begutachten und es für heilig erklärten, wurde den Leuten bewusst, dass sie dieses Tier beschützen mussten, was sie bis zu seinem Tod im Sommer 2004 taten. Jeder, der mochte, konnte an den Wochenenden zu ihnen kommen und Miracle kostenlos auf der Weide besuchen. Tausende amerikanische Ureinwohner waren in diesen zehn Jahren zu Miracle gepilgert, hatten gebetet und meditiert und ihm die Ehre erwiesen, die es ihrer Meinung nach verdiente. Aus aller Welt waren Menschen zu der kleinen Farm in Madison gekommen, um das Wunder mit eigenen Augen zu sehen.
Die Sonne scheint, der Verkehr fließt spielerisch an mir vorüber, als ich an einem strahlenden Nachmittag im November 2004 mit meinem gemieteten goldenen Chevy den Lincoln Boulevard hoch nach Santa Monica fahre, um einzukaufen. Als ich auf Coyote-Radio den Bericht über das weiße Büffelkalb höre, werde ich förmlich in die Geschichte hineingesogen und finde mich plötzlich in den schwarzen Hügeln Süddakotas wieder. In den letzten drei Jahren wurden im Norden der USA weitere unglaubliche acht weiße Büffelkälber geboren….
Den Rest dieser Geschichte, sowie 22 weitere können Sie in meinem Buch GANZ WEIT DRAUSSEN lesen.
