Das Glück is a Vogerl
Ich schaltete wie jeden Morgen die Espressomaschine ein, stellte die Milch auf den Herd, ließ meinen Blick aus dem Küchenfenster schweifen, und sah den frischen Schnee im Hof und auf den Dächern. Wie Puderzucker auf einem frischen Kuchen. Dann hielt ich inne. Auf einem der vielen Schornsteine, nur wenige Häuser entfernt stand ein Schornsteinfeger (der in Österreich Rauchfangkehrer heißt aber sonst genau so aussieht) und stieß eine lange Bürste in den tiefen Schlund aus alten Ziegeln. Sein schwarzes Kostüm kam vor dem frisch gezuckerten Hintergrund fabelhaft zur Geltung. Na, wenn das kein Glück bringt, dachte ich. Dann ließ ich cremigen dunkelbraunen Kaffee in eine kleine Tasse laufen, goss Milch dazu und nahm einen Schluck meines köstlichen Morgenelixiers. Die Augen wanderten wieder gen Dächer, schweiften umher. Weg war er. Der schwarze Mann. Aber dann tauchte er plötzlich wieder auf einem anderen Dach auf und begann wieder von neuem mit der Putzaktion. Ein zwei große Schlucke und schon war er wieder weg. Er war flink. Aber „das Glück is a Vogerl“ wie man in Wien sagt. (Oder ein Rauchfangkehrer.) Es flattert einem gelegentlich zu und lässt sich kurz nieder. Wenn man versucht, es festzuhalten, geht es ein. Bei mir hat es sich heute schon kurz blicken lassen. Was will man mehr?
