Diamond Dave

Die Sonne lacht. Ich lese mein überarbeitetes Manuskript und korrigiere die Korrekturen der Lektorin. Sie hat so gut wie gar nicht in meinen Stil eingegriffen. Das ist beruhigend.

Vergangene Nacht, als ich die ersten Geschichten las, blieb ich bei Diamond Dave hängen, einer Erzählung über meine Begegnung mit der Legende Diamond Dave Whitaker in San Francisco im Jahr 2001. Im September genau zu sein. Am 21. Ich war in San Francisco als die Twin Towers einstürzten. Wir haben damals einen Film vorbereitet. Pigs will fly von Eoin Moore. Der Film lief dann 2003 in Deutschland in den Kinos. Mit bescheidem Erfolg. Zumindest die Filmkritiker mochten ihn.

An jenem Morgen des 11. September war ich wie jeden Morgen laufen. Drehte meine Runde durch den Golden Gate Park, am Ozean entlang, durchs Presidio. Eoin saß mit offenem Mund vor dem Fernseher als ich zurückkam. Da hab ich es dann gesehen. Begreifen konnte ich es lange nicht.

Ich wollte schon lange ein Hörspiel über Diamond Dave schreiben, denn er ist einzigartig. Er hat es verdient. Er ist nicht nur der Entdecker und erste Mentor Bob Dylans, er ist auch ein ganz wunderbarer Mensch. Der letzte der in der Sprache der Beat-Generation spricht. Rhythmisch. Pointiert. So stellte er mich im Film auch einem kleinen Publikum vor, als ich Gedichte vorlas: „A gentleman and a scholar. A man whose words always bring a smile to our lips. Let’s hear it for Walter!“

Ich sollte dieses Hörspiel schreiben. Jetzt. In den nächsten Wochen. Solange er noch lebt. Denn er ist alt. Ich habe vor 3 Jahren in SF Tonaufnahmen mit ihm gemacht, als Vorbereitung für das Hörspiel. Damals lebte er mit einem seiner Söhne in einem Zimmer einer WG. Er hat kein Geld, bekommt keine Pension. San Francisco ist teuer. Ich wollte ihn auch gerne für dieses Hörspiel bezahlen. Gut bezahlen. Denn jemand wie er hätte sich einen würdevolleren Altersabend verdient.

Aber es ist soviel passiert seitdem. Ich bin nicht dazu gekommen, oder habe vergessen es zu schrieben. Ich habe ein Jahr in Irland und Prag an Tristan und Isolde gearbeitet, da hat mir der Wind sowieso alle Gedanken weggeblasen. Ich hab 2 Drehbücher geschrieben, ein Buch mit Kurzgeschichten (an dem ich gerade zugange bin), eine Serie, und mehrere Fernsehfilme gedreht. Und ich bereite zwei eigene Filme vor. Ganz schön viel, fällt mir auf!

Je älter ich werde, desto wertvoller wird die Zeit. Meine Tage werden immer knapper, es gibt immer mehr was ich tun will. Je mehr ich begreife, desto mehr möchte ich mich engagieren, möchte Dokumentarfilme drehen, Bücher schreiben, aufklären.

Ich werde das Hörspiel über Dave noch in diesem Herbst schreiben. Ich will wieder nach San Francisco. Ich hoffe, ihn wieder zu sehen, den Dinosaurier, den alten Beatnik, mit dem schlappen Lederhut, dem gebrochenen Brillenbügel, der Habichtsnase und dieser unvergleichlichen Stimme. Wie sagt er immer so schön und rhythmisch: casting a white net, finding the common threat, letting life flourish!”

 

One Response to “Diamond Dave”

  1. Cheb Mami Says:

    prag I Googled for something completely different, but found your page…and have to say thanks. nice read.

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