Textausschnitte

Ausschnitte aus einigen Kurzgeschichten aus dem Buch GNAZ WEIT DRAUSSEN

Diamond Dave

Mit Diamond Dave Whitaker durch Nortbeach zu laufen, und auf den Spuren der Beatnikgeneration zu wandern, war das Berührendste und Beruhigendste das ich seit Wochen erlebt habe. Er zeigte mir wo alles begann: in einem kleinen Laden mit dem unspektakulären Namen The Place. Hier hing er 1957 mit anderen jungen Anarchisten, Poeten, Musikern und Außenseitern ab. Sie trugen schwarze Klamotten, lasen einander Gedichte vor und rauchten Joints in den Seitenstraßen. ….
 

Von der Arbeit mit Tieren

Die Arbeit mit Tieren vor der Kamera ist fürwahr nicht einfach. Zum einen stehlen sie einem immer die Show, zum anderen sind sie manchmal obendrein auch noch gefährlich.
Ich drehe zur Zeit eine Gastrolle in einer Serie, in der die Hauptrolle von einem Affen gespielt wird. Wie soll man dagegen ankommen? Der Bursche hat Sympathiewerte, die ich im Leben nicht erreichen kann. Alles, was er macht, ist niedlich und witzig. Er ist ein Naturtalent und er wirkt, als könnte er kein Wässerchen trüben, springt herum in seinem quietsch-orangefarbenen Hemdchen und bricht die Herzen aller.
In Wahrheit ist er ein wildes Tier. Er ist so gefährlich, dass ich unterschreiben musste, ihm nicht zu nahe zu kommen, ihn nicht zu berühren, ja ihn nicht einmal anzusehen. Der ist ärger als Marlene Dietrich! …

Gleißende Stille

Ein kalter Wind empfing uns, als wir die Tür öffneten und aus dem Haus traten. Der schmale Weg aus Waschbetonplatten war zugeschneit, ebenso die Straße draußen, vor dem alten braunen Jägerzaun.
Es war bitterkalt. Viel zu kalt für ein erstes Aprilwochenende. Auf dem kleinen Wiesenstreifen zwischen Haus und Zaun blühten bereits die Krokusse in lila und gelb und hoben sich deutlich ab von dem strahlenden Weiß des frisch gefallenen Schnees. Der Gartenzwerg, der breit grinsend eine Schippe in der Hand hielt, hatte über seiner roten Mütze jetzt auch noch eine weiße übergezogen.
Mein Vater fluchte, weil er gestern bereits die Reifen gewechselt hatte, denn schließlich war es schon Frühling, zumindest laut Kalender.  …

Rickmer Rickmers

Es ist ein strahlend schöner Morgen im Mai, als ich die Rickmer Rickmers im Hamburger Hafen betrete und der Kapitän des alten Dreimasters mich in die Richtung weist, in der sich unter Deck die Masken- und Garderobenräume des Filmteams befinden, für das ich heute drehen soll.
Ich stelle mich allen vor, trinke Kaffee aus einem Plastikbecher und versuche langsam wach zu werden. Sieben Uhr fünfundvierzig ist sehr früh, wenn man am Vorabend lange mit seinen Kumpels zusammen gesessen und getrunken hat.
Nachdem der junge Maskenbildner einen etwa sechzigjährigen deutschen Schauspieler, der den türkischen Kapitän spielen soll, zurechtgemacht hat, bin ich an der Reihe. ….

Namaste, Nepal!

Namaste, Nepal! Ich grüsse das Göttliche in dir! Überall sehe ich das tiefe Rot deiner Rhododendrenblüten. Auf allen Wegen begleitet mich deine heilige Silbe „Om!“ Möge dir die Revolution gegen Kasten und korrupte Monarchen endlich gelingen! ….